Autophilie - Automobilismus und Selbstabholer

Die Fortbewegung mit belebter und unbelebter Nutzlast gehört zu den evolutionär vornehmsten Errungenschaften der uns bekannten Menschheitsgeschichte.

VW Bus / Transporter - eine kurze Schnauze

Die jahrzehntelange Karriere des unverwüstlichen Kleinbusses, der laut Straßenzulassungsordnung als Lkw (Kleinlastwagen) firmiert und damit auch auf Ebene der Kraftfahrzeugsteuer günstiger zu betreiben ist, begann als Volkswagen werksinterne Behelfslösung zum Teiletransport. Schnell erkannte man das Marktpotenzial, denn die im Wiederaufbau befindliche Bundesrepublik hatte enormen Transportbedarf - im Großen wie im Kleinen.

Im Frühjahr 1950 begannen Produktion und Verkauf. Schnell war im Volksmund auch ein kurzer, prägnanter Name gefunden: VW Bus (vom Lateinischen omnibus = für alle), obwohl er offiziell jahrzehntelang als "VW Transporter" verkauft wurde, hieß er bei vielen liebevoll "Bulli".

Konfiguration und Technik des Käfers dienten den Prototypen und den Serienmodellen der T1-Generation als Basis: Heckantrieb, 4-Zylinder-Boxeraggregat, zwei Einscheiben-Frontverglasung (beim T2 ab 1967 gewölbte Einscheiben-Front). Der flach installierte Lenker vermittelte zudem etwas Brummi-Feeling, obwohl es diesen Begriff damals noch nicht gab. Das Führerhaus war anfangs spartanisch ausgerüstet, bot aber immer erfrischende Armfreiheit.

Die Nachfrage für diesen Fracht- und Personentransporter war so stürmisch, dass man die Montagebänder ins neu geschaffene Werk nach Hannover auslagerte, um den Kapazitätsbedarf befriedigen zu können. Schnell konnte sich der genügsame Kastenwagen auch die Sympathien der Camper, Freizeitfreaks und Hippies erobern.

Immer wieder wurde in (Berufs-) Fahrerkreisen die fehlende Knautschzone und das Risiko einer Beinamputation im Falle eines Frontunfalles thematisiert, denn die verstärkenden Frontbügel konnten subjektiv nicht wirklich letzte Sicherheitszuversicht generieren; sie blieben auch unter Stoßstange und Blechkleid verborgen und ihr potenzieller Aufprallschutz somit weitgehend unerkannt. Das Fahrzeug war und ist im Frontbereich stabil, weil der diesbezüglichen Sicherheit seit Anbeginn viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Von 1967 bis 1979 erlebte der Bulli seine klassische Design-Phase und war auch mit 1600 ccm besser unterwegs. Ab 1979 wuchs ihm als T3 eine kurze Schnauze, und er speckte auch sonst etwas auf, ohne dass die Grundmotorisierung merklich aufgewertet wurde, sodass er an Ampeln, auf Landstraßen und Autobahnen etwas an Dynamik verlor. Nach Fahrwerksmodifikationen fuhr er sich nun allerdings deutlich geschmeidiger - ohne zu schwimmen - und kam einem Pkw-Fahrgefühl näher.

Jetzt machten aber die Japaner mit billigen Konkurrenzmodellen heftigen Druck und die Umsätze außerhalb Mitteleuropas erlahmten. Der Kleintransporter als Investitionsgut zur Expedition von Schulkindern, Behinderten, belegten Brötchen und Bauschutt war weltweit zum heiß umkämpften Wachstumsmarkt geworden.

Die Entwicklungslinie drängte dann mit dem T4 (1990) und T5 (2003) weiter voran, und mit wassergekühltem Motor, signifikant gesteigerten Außenmaßen und einer ständig anschwellenden Schnauze (s. o. Frontmotor) ist die Grundlegung der Parentalgeneration für nachgeborene Zeitgenossen optisch und figurativ kaum noch assoziativ.

Der VW Transporter hat sich über die Jahre hinweg auch und nicht zuletzt zu einem Fun-Mobil, Rettungs- und Einsatzfahrzeug (Polizei, Feuerwehr, Militär), eben zu einem "Alleskönner" und einer Fahrzeugplattform entwickelt.

Vielleicht triebe dem VW Bus ein Entwicklungsabzweig im Sinne einer "Lupoisierung" neue Zielgruppen zu - oft ist weniger dann wieder mehr, aber das bliebe wie alles Fiktive abzuwarten.


-> Das Nützliche ist meistens auch das Schöne und wenn die Ladefläche herabgesenkt und die Ladeklappe ins Schloss gefallen ist, heißt es entweder: Nach dem Transport ist vor dem Transport oder umgekehrt <-


Texte und Fotos © 2017 Oliver Greh